Montag, 26. März 2007

Identitätsstifter Brat- oder Brühwurst


Der größte soziale Gleichmacher in Deutschland ist meines Erachtens keine Partei, sondern der schnelle Pausenhunger.

Denn jeder Mensch, auf dem Land oder in der Stadt, Heuschreckenmanager oder Putzkraft, mag die Curry-Wurst. Jeder riskiert seine Oberbekleidung und setzt sie gerne der fleckenmachenden Curry/Chili-Sauce aus.

Wären wir jetzt in den Geburtsjahren der Nation, würde vielleicht die C-Wurst die Flagge schmücken und nicht der martialische Adler. Denn die fettige Wurst aus Fleischresten, fritiert in vorzugsweise älterem Fett, ist nicht nur beliebt, sondern hat auch zeitgenössische Künstler angeregt wie keine zweite.

Herbert Grönemeyer beschäftigte sich in seiner ersten LP noch mit der leichteren Unterhaltung und, neben der Parkplatzsuche, eben auch mit der Currywurst. Wenn man den Film "Das Boot" hinzuaddiert und die zugegebenermaßen etwas pathetischen LPs nach der "Bochum" wieder abzieht, kommt Herbert bestimmt auf die selbe Bedeutung wie einstmals Hoffmann von Fallersleben.

Noch dazu stammt der Text zur "Currywurst" von Diether Krebs, dem früh verstorbene Helden der deutschen Trivialklassik der 80er Jahre. In seinem letzten Film, "Bang Boom Bang" 1999 verabschiedete er sich von seinem Publikum, und begann für seinen Regisseur Peter Thorwarth zugleich die sogenannte "Unna-Trilogie". Krebs' Grabstein auf dem Essener Ostfriedhof ist ein etwa handgroßer Kieselstein. Ich vermute, er wird über kurz oder lang zum Wallfahrtsort.

Ebenso wie schon heute für die Berliner Currywurstesser das Konopke oder das KuDamm 195. Die beiden Currywurstbuden, sind wirklich von (gleichermaßen) hoher Qualität. Noch streiten sich die Berliner darüber, welche C-Wurst besser ist: Wenn der Streit beigelegt ist, schätze ich, ist auch die Teilung der Stadt vollständig überwunden.

Zudem werden in Berlin auch die Anfänge der einfachen (Ess-)Kultur geehrt, wofür sich die Stadt in meinen Augen als Hauptstadt (jedenfalls der Currywurst) bewährt und gerechtfertigt hat. Der Erfinderin der besonderen Wurst wird mit einer Plakette gedacht, da es zu spät ist, sie auf der Grünen Woche mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk auszuzeichnen. Sie hat das Jahr 2000 nicht mehr erlebt, der oben genannte Schauspieler und Entertainer auch nur die ersten fünf Tage.
Als Laudator wäre ohnehin nur Diether Krebs in Frage gekommen.

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